KaribikMagazin

«Eroberung von Caracas»: Hunderttausende demonstrieren gegen Maduro

Über eine Million Demonstranten geht in Venezuelas Hauptstadt auf die Straße: Die Opposition will ein rasches Referendum gegen den sozialistischen Präsidenten erzwingen. Das Land steckt in einer schweren Krise und ist tief gespalten.

Kräftemessen in den Straßen von Caracas: In der venezolanischen Hauptstadt haben Hunderttausende Menschen für eine zügige Volksabstimmung gegen den sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro demonstriert. Bei der «Eroberung von Caracas» blockierten sie am Donnerstag wichtige Straßen der Hauptstadt. Sie skandierten «Referendum jetzt» und schwenkten Flaggen.

In der Nacht zum Freitag schlugen zahlreiche Bewohner von Caracas bei einem sogenannten «Cacerolazo» Pfannen und Töpfe gegeneinander. Mit dieser typisch lateinamerikanischen Protestform wollen die Menschen zeigen, dass die Töpfe leer sind. Auch zahlreiche Regierungsanhänger gingen zu Gegenveranstaltungen auf die Straße, um Maduro zu unterstützen.

«Heute hat das venezolanische Volk mit Liebe, Frieden und Entschlossenheit gezeigt, dass wir Millionen sind, die den Wechsel wollen», sagte die Frau des inhaftierten Oppositionsführers Leopoldo López, Lilian Tintori, in der Nacht auf Freitag. «Wir werden es schaffen - auf friedlichem und verfassungsmäßigem Weg. Ein besseres Venezuela wird kommen.»

Größtenteils blieb es friedlich. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Das Oppositionsbündnis MUD berichtete, Sicherheitskräfte hätten Tränengas auf Demonstranten gefeuert. Am Freitag berichtete der MUD, der Geheimdienst habe den Parteifunktionär und Bürgermeister Delson Guarate im Bundesstaat Aragua festgenommen. «Sie versuchen, uns den Erfolg von gestern zu entreißen», sagte der oppositionelle Abgeordnete Freddy Guevara.

Die Wahlbehörde hatte den Termin für die zweite Unterschriftensammlung für den Volksentscheid gegen Maduro zuletzt auf Ende Oktober festgelegt. Der Opposition ist das zu spät, denn damit könnte die Regierung das Referendum bis ins kommende Jahr hinauszögern. Dann würden laut Verfassung die Sozialisten selbst bei einer Niederlage des Präsidenten an der Macht bleiben.

Der «rechte Staatsstreich» sei gescheitert, die Sozialisten hätten das Kräftemessen am Tag der Großdemonstrationen gewonnen, sagte Maduro auf einer Kundgebung. Er warf der Opposition vor, die Bürger zur Gewalt anzustacheln. Der Staatschef beschuldigte den oppositionellen Parlamentspräsidenten Henry Ramos Allup, «Hass, Vergeltung, Faschismus und Gewalt zu fördern».

Er werde die Immunität der Abgeordneten des von der Opposition kontrollierten Parlaments per Dekret aufheben, kündigte er bei der Kundgebung der Sozialisten am Donnerstag an. «Ich bin entschlossen, das Vaterland und die Souveränität des venezolanischen Volkes mit allen Mitteln zu verteidigen.» Die sogenannten Chavisten sehen durch die Proteste der Opposition das Erbe und die sozialen Errungenschaften des gestorbenen Präsidenten Hugo Chávez gefährdet.

Die Opposition kündigte weitere Demonstrationen an, um ein baldiges Referendum gegen Maduro zu erzwingen. «Wir werden nicht aufhören, zu demonstrieren, denn das ist unser verfassungsmäßiges Recht», sagte Tintori. Am 7. September wollen die Regierungsgegner in den Provinzhauptstädten sechs Stunden auf die Straße gehen, am 14. September zwölf Stunden.

Venezuela ist tief gespalten: Seit dem Sieg der Opposition bei den Parlamentswahlen Ende vergangenen Jahres beharken sich Regierung und Volksversammlung. Zudem leidet das Land seit Monaten unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. In den Supermärkten fehlt es an Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs.



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