KaribikMagazin

Drogen und Betrug: Erstmal keine neuen Privat-Restaurants in Havanna

Touristen wissen die Paladares zu schätzen. In den Privat-Restaurants lässt sich auch auf der sozialistischen Karibikinsel elegant speisen. Jetzt wird der Regierung das kapitalistische Treiben zu bunt. Neue Konzessionen soll es vorerst nicht geben.

Havanna (dpa) - Die gastronomische Revolution in Kuba muss einen Gang zurückschalten: Die Behörden in der Hauptstadt Havanna erteilen vorerst keine neuen Lizenzen für privat geführte Restaurants. Hintergrund sind angebliche Rechtsverstöße der Betreiber der sogenannten Paladares. «Wir wollen, dass sie erfolgreich sind, aber wir erlauben keine Disziplinlosigkeit», zitierte die Parteizeitung «Granma» am Donnerstag die stellvertretende Verwaltungschefin der Hauptstadtprovinz, Isabel Hamze Ruiz.

Gerüchten über die geplante Schließung der Restaurants trat sie allerdings entgegen. «Im Gegenteil: Wir erkennen die Bedeutung der Betriebe für die Stadt an und die Regierung möchte, dass sie prosperieren, aber alles innerhalb der Rechtsordnung», sagte Hamze Ruiz.

Die Behörden hatten zuletzt zahlreiche Gastronomen zum Gespräch einbestellt. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, sich Waren auf dem Schwarzmarkt zu beschaffen. Die Betreiber argumentieren, sie hätten im Gegensatz zu den Staatsbetrieben keinen Zugang zu den Großmärkten, um zu wettbewerbsfähigen Preisen einzukaufen.

Die Behörden werfen den Restaurantbesitzern zudem vor, Prostitution und Drogenkonsum zu dulden sowie Steuern zu hinterziehen. Viele Paladares seien auf Strohmänner angemeldet, um die wahren Betreiber zu verschleiern. Außerdem sei oft unklar, woher das Geld für die Investitionen stammt.

Zudem ist die Regierung des sozialistischen Karibikstaats offenbar besorgt, dass der wirtschaftliche Erfolg einzelner Restaurantbesitzer zu sozialen Spannungen führen könnte. Der durchschnittliche Monatslohn in Kuba beträgt noch immer gerade einmal 20 US-Dollar - das reicht in einem guten Paladar gerade mal für ein Hauptgericht.

Die Paladares sind das sichtbarste Zeichen der zögerlichen wirtschaftlichen Liberalisierung in Kuba. Im ganzen Land gibt es mittlerweile über 1700 Privatrestaurants, allein in Havanna sind es mehr als 500. Vor allem bei Ausländern und Touristen sind die Läden beliebt. Abseits der Tristesse der staatlichen Restaurants lässt sich hier elegant dinieren: Für harte Dollars gibt es Meeresfrüchte, Sushi und spanische Tapas in schickem Ambiente.

Einige Paladares haben es bereits zu Berühmtheit gebracht: Im «La Guarida» waren schon Schauspielerin Natalie Portman, Sängerin Madonna und Reality-TV-Queen Kim Kardashian zu Gast. US-Präsident Barack Obama speiste bei seinem historischen Besuch im März gemeinsam mit seiner Familie im «San Cristóbal».



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